Erfahrungsbericht eines Absolventen Fachschule Papierverarbeitungstechnik

Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker (Fachrichtung Papier) an der Johann-Friedrich-Pierer Schule in Altenburg.

 

„Rumdibum dei, plopp zum Gugu dei“ - so startete damals unsere erste Schulstunde in Altenburg. Unser Klassenlehrer Herr Schäfer (Fächer: Mathe & Informatik) schrieb diesen merkwürdigen Satz an eine Hälfte der Schultafel, ließ ihn uns lesen und klappte die Tafel dann zur Wand. In den folgenden Tagen wurde der Satz immer wieder hervorgeholt und jede Stunde bei Herrn Schäfer begann damit, ihn zu lesen. Diese Demonstration, auch komplizierte Dinge bei ausreichender Wiederholung im Gehirn abspeichern zu können, hat eindrucksvoll funktioniert – auch nach nunmehr elf Jahren die seit dem vergangen sind, ist dieser Satz unauslöschlich in meinen Erinnerungen abgelegt.

 

Ich habe meine Ausbildung zum Papiertechniker im September 2006 in Altenburg begonnen, zusammen mit 14 weiteren Fachschülern aus ganz Deutschland.In den ersten Tagen lernten wir uns gegenseitig sowie die Lehrkräfte der Pierer-Schule kennen. Unsere Klasse war ein bunt zusammengewürfelter Haufen –  vom frisch ausgelernten Verpackungsmittelmechaniker (heute: Packmitteltechnologe), der direkt nach der Berufsausbildung die Weiterbildung zum Techniker begann bis zum erfahrenen Facharbeiter mit Mitte 30. Ich selbst habe die Ausbildung im Alter von 25 Jahren begonnen und musste mich in der Anfangszeit erst einmal wieder sehr daran gewöhnen „die Schulbank zu drücken“. 2002 hatte ich meine Ausbildung zum Verpackungsmittelmechaniker abgeschlossen und seit dem in der Produktion von Faltschachteln gearbeitet – und nun wieder still sitzen und zuhören...

 

Acht Stunden Schulunterricht sind halt doch etwas Anderes als die praktische Arbeit in der Firma! So erging es auch vielen Mitschülern, aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war es kein Problem, zwischen den zwei Welten „Praktische Arbeit in der Firma“ und „Schulunterricht in Altenburg“ umzuschalten.   In den ersten Schulwochen war das Pensum, besonders an naturwissenschaftlichen Grundlagen, ungewohnt hoch und ich bin sicher dass jeder von uns sich in der ersten Zeit gefragt hat, ob diese Ausbildung denn nun wirklich das richtige für ihn sei. Unsere Klasse wuchs sehr schnell zu einer tollen Einheit zusammen und wir unternahmen auch in der schulfreien Zeit am Nachmittag und Abend viele gemeinsame Dinge. Rückblickend war das eine aufregende Zeit in meinem Leben, die ich keinesfalls missen möchte. Ich komme nach wie vor gern nach Altenburg, um mir die Plätze anzusehen an denen ich mit meinen Schulkollegen so viel Zeit verbracht habe.

 

Jedem, der die Techniker-Ausbildung in Altenburg beginnt, kann ich nur wärmstens empfehlen sich von der anfänglich fremden Situation nicht abschrecken zu lassen - vom Anfang aus betrachtet sehen die vier anstehenden Ausbildungsjahre aus wie ein großer Berg, den es zu erklimmen gilt – blickt man allerdings vom Ende der Ausbildung zurück, so hat man eher das Gefühl, die Zeit sei im Fluge vergangen.

 

Die beruflichen Perspektiven, die sich dem Fachschulabsolventen nach bestandener Ausbildung bieten, umfassen ein sehr breites Spektrum. Ich selbst habe ursprünglich in der Produktion von Faltschachteln gearbeitet, bevor ich dann zur Halbzeit der Techniker-Ausbildung das Unternehmen gewechselt habe um dort in der technischen Arbeitsvorbereitung, Verpackungsentwicklung und Produktionsplanung zu arbeiten.

 

Nach insgesamt 16 Jahren in der  Faltschachtel-Industrie bin ich dann für zwei Jahre in die Papier-erzeugende Industrie gewechselt und habe dort im Qualitätsmanagement gearbeitet sowie im Bereich Anwendungstechnik internationale Kunden betreut. Ich bin also vom Faltschachtelhersteller auf die Seite des Lieferanten gewechselt.

 

Der nächste Karriereschritt führte mich auf die Kundenseite des Faltschachtelherstellers: Als Verpackungstechniker und SAP-Systembetreuer arbeite ich nun in einem renommierten Unternehmen für Naturkosmetik.


Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich sehr – mit der umfassenden naturwissenschaftlichen Grundbildung des Technikers kann man sich auch durchaus mal in einer ganz anderen Branche bewerben.

 

Ich persönlich bin sehr froh, diese Ausbildung absolviert zu haben und über die interessanten Tätigkeiten die sie mir bisher ermöglicht hat. Es wird nicht langweilig…

 

Abschließen möchte ich daher mit einem Zitat von Steve Jobs:
„Stay hungry, stay foolish!“

 

Sebastian Franke (PT06), im Oktober 2017