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Schulgeschichte: Bauausbildung an der Johann - Friedrich- Pierer- Schule Altenburg

Geschrieben von A. Klapper am .

Bauausbildung an der Berufsschule

Eine wichtige Säule der Berufsschule „ Adolf Hennecke“, heute Johann- Friedrich- Pierer- Schule, war die Bauausbildung. Im Zuge der Recherche zu dieser Branche stellte mir ein ehemaliger Kollege, Herr W. Herold, eine bemerkenswerte > Chronik der BBS Lehrbauhof< zur Verfügung. Bemerkenswert ist die Chronik daher, weil sie, von mehreren Autoren handgeschrieben und bebildert, die schweren Anfänge der Lehrerausbildung nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert.

 

Die aufgeführten Bedingungen sind nach heutigen Maßstäben unvorstellbar. Daher beschlossen wir, für dieses Zeitdokument von 1949 bis 1955 ein Podium zu schaffen.

Aus den Anfängen der Bauausbildung in Altenburg

1949: Die Eröffnung der Berufsschule fand im Juni 1949 statt. Erste Lehrlinge begannen im September 1949 ihre Ausbildung als Maurer und Zimmerer. Die Bedingungen waren äußerst bescheiden. Ein Lehrerzimmer und zwei Klassenräume mussten genügen. Selbst Mobiliar wurde von den angehenden Zimmerern größtenteils selbst gebaut. Chronischer Mangel an Lehrmitteln und Büchern erschwerte das Lernen. Die Lehrer waren neu, ohne eine entsprechende Ausbildung. Sie sammelten ihre ersten pädagogischen Erfahrungen an Umschülern.

1950: In diesem Jahr erfolgte eine Angliederung an den „ VEB Bau Erfurt “.Als erster Schulleiter wurde Herr Lange bestellt. Weil die Arbeit nicht anerkannt wurde, verbesserten sich die materiellen Bedingungen nicht. Die materielle Basis war unzureichend, gab s doch keine Fonds, Kostenpläne und sonstige Finanzen. Bereits um Selbstverständlichkeiten, wie zum Beispiel verschließbaren Türen, musste gerungen werden. Flankiert wurden diese Unzulänglichkeiten durch Disziplinschwierigkeiten und Problemen im Lehrerkollegium. Nicht jeder Kollege hatte das Zeug zum Pädagogen. Dennoch konnten erste Lehrer ihre Lehrerprüfung absolvieren.

1951: Die Schule wuchs! Es gab mehr Klassen, mehr Stunden konnten erteilt werden. Durch erste Ausbildungsunterlagen verbesserte sich die Unterrichtsqualität merklich. Bessere Stoffbeherrschung seitens des Kollegiums erreichte man durch die Abkehr vom Klassenlehrer- Prinzip. Das Fachlehrersystem hielt Einzug. Fortan unterstand die Schule dem „ Volksbau Altenburg“. Ein dritter Unterrichtsraum und ein Lehrmittelraum wurden geschaffen. Weitere drei Kollegen absolvierten ihre Lehrerprüfung. Dennoch musste in der Praxis auf nebenberufliche Kräfte zurückgegriffen werden.

1952: Die Schule wuchs weiter! Erreicht wurde dieser Umstand durch den Zusammenschluss mit der „ Bau- Union- Naumburg“ . Infolge dieses Zusammenschlusses entstand eine Außenstelle Ronneburg. Zwei wichtige Grundlagen des Unterrichtens, welche sich in der Gegenwart bewährt haben, traten auf den Plan: Der Zensurenunterricht erlebte seine Geburtsstunde an dieser Schule und erste, schüchterne Versuche, Theorie und Praxis näher zusammenzubringen, erfolgten. Die Berufsschule erhielt ein Schulleiterzimmer. In diesem Jahr liegt ebenfalls die Geburtsstunde für außerschulische Aktivitäten. Diese fanden zunächst auf musischer Ebene statt. ( Chorarbeit…)

1953: Wieder ein Wechsel- die Schule wurde der „ Bau- Union- Jena“ angegliedert. Mit dieser Maßnahme verbesserten sich zunächst einige Bedingungen. Erstmalig erstellte man einen Finanzplan, die Schule durfte sich selbst verwalten, eine Sekretärin erhielt ihre Anstellung. Dennoch war diese Verbindung nicht so progressiv wie vermutet. „ Amtsfesseln und unmögliche Verwaltungsgürtel… “, so der Chronist, prägten diese Liaison. Durch den Einfluss des Schulleiters konnte man sich Ende des Jahres von der „ Bau- Union- Jena“ lösen. Der VEB Bau (K) Altenburg übernahm den Lehrbauhof. In diesem Jahr absolvierten zwei Kollegen die zweite und einer die erste Lehrerprüfung.

1954: Die Übernahme durch den VEB Bau (K) Altenburg erwies sich als Glücksgriff. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Trägerbetrieb erfolgte ein Qualitätssprung in der Ausbildung. Ein weiterer Kollege absolvierte die Lehrerprüfung.

1955: Hoher Besuch aus dem Ruhrgebiet. Vertreter einer Berufsschule besuchten den Lehrbauhof. Sie erkannten neidlos an, welch gute Arbeit hier geleistet wurde und stellten fest, dass es Mängel in der bundesdeutschen Lehrlingsausbildung gibt. Dies alles ist in einem Brief in der Chronik nachzulesen. Erstmals wurden 120 Maurerlehrlinge in die Berufsschule aufgenommen. Nur 7% der Lehrlinge bestanden in dem Jahr ihre Prüfung nicht (im Vorjahr 30%). Die Schule erhielt eine Turnhalle im Untergeschoss. Eine Bereicherung des Schulalltages stellten die erstmals durchgeführten Wandertage dar. Ein weiterer Kollege bestand die zweite Lehrerprüfung.

An dieser Stelle endet leider die Chronik. Weitere Recherchen sollen den Weg bis zur Gegenwart dokumentieren.

Für jegliches Material wären wir dankbar.

A. Klapper